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WAS SIND NEUE GOTTESDIENSTE?
Zweitgottesdienste, andere Gottesdienste, neue Gottesdienste – dies alles sind verschiedene Begriffe für bestimmte Gottesdienste, die sprachlich nicht ohne weiteres auf einen Nenner zu bringen sind. Wollte man definieren, was sich hinter diesen Bezeichnungen verbirgt, würde man etwa auf folgende Eigenschaften neuer Gottesdienste kommen …
Neue Gottesdienste …
- versuchen bewusst Menschen anzusprechen, die den traditionellen Gottesdiensten fernbleiben
- verwenden dazu Formen und Stilmittel, die den Lebensgewohnheiten der Mehrheit entsprechen
- sind vielfältig in ihrer Gestaltung
- werden meist im Team vorbereitet und durchgeführt
- sind oft thematisch ausgerichtet
- finden häufig zu anderen Zeiten statt (z.B. am Sonntagabend).
- ergänzen den traditionellen Gottesdienst (d.h. sie schaffen ihn nicht ab).
WIE SIEHT EIN NEUER GOTTESDIENST AUS?
Im Vergleich zum traditionellen Gottesdienst ist für viele die Musik der hervorstechendste Unterschied. Meist spielt eine Band, die Minimallösung heißt E-Piano oder akustische Gitarre o.ä. Je nach Prägung der Gemeinde werden neue geistliche Lieder und/oder Lobpreis-Lieder (von engl. worship) gesungen – in der Regel werden die Texte mit Beamer projiziert.
Die Liturgie ist niederschwellig, d.h. elementar gehalten, damit sich auch Neulinge rasch zurechtfinden. Natürlich hat auch ein neuer Gottesdienst seine Liturgie, d.h. seine Grundstruktur, die mehr oder weniger variiert wird. Frage-Antwort-Stücke fehlen in der Regel, dafür begegnen neue Elemente wie z.B. spontanes Partnergespräch oder interaktive Elemente.
Vielseitig gestaltet wird der gesamte Bereich der Verkündigung. Die Predigt wird häufig erweitert, z.B. durch ein hinführendes Theaterstück oder ein weiterführendes Interview mit einem Gast. Meist geht sie von einem bestimmten Thema aus, das den roten Faden im Gottesdienst bildet. Biblische Texte werden dann vom Thema her einbezogen.
Was den Raum betrifft, so finden die meisten neuen Gottesdienste in der Kirche statt – aber auch das Gemeindehaus ist als Alternative verbreitet, sei es, dass es aus technischen Gründen günstiger ist, sei es, dass die lockere Atmosphäre geeigneter scheint, um Distanzierte anzusprechen.
Zu welcher Zeit finden neue Gottesdienste statt? Die Mehrzahl am Sonntagabend (da gibt es keine ernsthafte Konkurrenz!), manche auch am Samstagabend oder Sonntagvormittag. In jedem Fall wird eine Zeit gewählt, die auf das veränderte Wochenend- und Freizeitverhalten Rücksicht nimmt, d.h. auch ein Gottesdienst am Sonntagmorgen ist dann ein Gottesdienst am Vormittag (z.B. um 10.30 Uhr).
Eine eigene Form innerhalb der neuen Gottesdienste bildet die in Finnland entstandene Thomasmesse. Sie ist an großen (städtischen) Kirchen zu finden. Ihre Besonderheit ist der ‚offene’ Mittelteil, wo die Teilnehmenden je nach persönlichem Wunsch verschiedene Angebote innerhalb des (großen) Kirchenraumes wahrnehmen können, z.B. mit anderen über einen Bibeltext sprechen, in der Stille sein, sich salben oder segnen lassen etc.
WARUM SIND NEUE GOTTESDIENSTE NÖTIG?
Der Gottesdienst hat sich in den letzten zweitausend Jahren ständig verändert. Und schon immer hat sich die Liturgie von zeitgenössischen Formen beeinflussen lassen (z.B. in der Reformationszeit durch weltliche „Schlager“, die - mit christlichem Text versehen - bis heute „Kirchenschlager“ sind). Das, worum es im Gottesdienst geht – Gott und Mensch – ist so vielfältig, dass vielfältige Gestaltungsformen nicht nur erlaubt, sondern sogar geboten sind.
Außerdem: Während Heiligabend und Erntedank groß im Trend liegen – daneben auch Einschulungsgottesdienste und andere am Lebensrhythmus orientierte Feiern –, spricht der traditionelle Gottesdienst in vielen Gemeinden nur eine kleine Gruppe an. Neue Gottesdienste haben hier meist mehr Erfolg. Warum? Menschen, die nicht mit dem traditionellen Gottesdienst groß geworden sind, finden als Erwachsene in der Regel keinen Zugang dazu. Dieser Gottesdienst ist für sie irrelevant, er hat keine Priorität. Erleben sie jedoch einen Gottesdienst, der musikalische und künstlerische Formen verwendet, wie sie auch sonst (Radio, TV etc.) begegnen, sind sie plötzlich ansprechbar und kommen wieder. Nicht kirchlich geprägte Menschen begegnen im neuen Gottesdienst dem Evangelium in ihrer eigenen ‚Sprache’ – und werden deshalb angesprochen.
ERSTE GROSSE UMFRAGE ZU NEUEN GOTTESDIENSTEN
Im Auftrag der badischen Landeskirche führte das Institut zur Erforschung von Evangelisation und Gemeindeentwicklung (Greifswald) 2005/2006 eine Studie zu Zweitgottesdiensten durch. Sie können hier die komplette Studie nachlesen (Teil 1 und Teil 2) oder eine gekürzte Fassung abrufen. Auch ein Kommentar von Pfr. Martin Reppenhagen, der die Untersuchung durchgeführt hat, ist verfügbar.
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